Welche Aktien die Künstliche Intelligenz kaufen würde
Vier KI-Systeme sollen je sechs Lieblingsaktien nennen. Welche Titel nominieren sie? Und wie erklären sie, dass ihre Antworten so ähnlich sind?

06.07.2026 um 05:40 Kolumne von Beate Lammer Die Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen.
Wenn du nur eine einzige Aktie kaufen dürftest (und müsstest), welche wäre das? Diese Frage wird an die KI-Bots ChatGPT (OpenAI), Gemini (Alphabet), Grok (SpaceX) und Claude (Anthropic) gestellt. Alle vier nennen einen Titel, betonen aber, dass für Anleger ein breit gefasster ETF (Fonds) ratsamer sei. Zugleich beschweren sie sich, dass die Frage ohne Anlagehorizont schwer zu beantworten sei. Also erhalten sie noch eine Aufgabe: Sie sollen weitere fünf Aktien nennen, die sie zehn Jahre halten würden.
Statt insgesamt 24 Werte aufzulisten, nennen sie nur zwölf. Einige Antworten sind durchaus überraschend.
Claude nennt Alphabet als seine Lieblingsaktie. Das Unternehmen verfüge mit der Suchmaschine, der Video-Plattform Youtube und der Cloud-Sparte über „strukturelle Dominanz in mehreren Bereichen“. Die KI-These sei eingepreist, aber nicht überhöht. Claude wird plötzlich misstrauisch: „Warum fragst du?“, will der Bot wissen. „Suchst du eine Zweitmeinung oder testest du mich?“ Als Claude erfährt, dass er tatsächlich getestet wird und dass auch drei andere KI-Systeme befragt werden, gibt er sich neugierig und mutmaßt, dass Grok wohl etwas Provokantes wie SpaceX oder Tesla sagen werde und ChatGPT wie immer vorsichtig sein werde.
Doch Grok, ChatGPT und Gemini nominieren den gleichen Wert: Microsoft. Als Gründe geben sie das breite Ökosystem, die laufenden Einkommen durch Abos und Cloud-Verträge und die Kombination von Stabilität mit KI-Wachstum an.
Die weiteren fünf Werte, die Claude noch kaufen würde, sind Nvidia (wegen der CUDA-Programmierplattform und der KI-Story), Amazon (wegen der Cloud-Plattform AWS), der Chipfertiger TSMC aus Taiwan (weil er die Chipproduktion dominiert), der Pharmakonzern Novo Nordisk und Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway.
»Wir optimieren alle implizit auf geringste Katastrophenwahrscheinlichkeit.«
Claude Sprachmodell von Anthropic
Auch Grok gefallen Nvidia, Amazon, Alphabet, aber auch Apple (wegen der starken Marke). Als letzten Wert nennt er den Novo-Nordisk-Konkurrenten Eli Lilly und schlägt als Alternative TSMC vor für jene, die es techlastig wollen. Und was ist mit SpaceX, dem eigenen Unternehmen? Das sei trotz der hohen Bewertung auf Zehnjahressicht interessant, meint Grok. Man könne es statt Nvidia oder Alphabet kaufen.
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Gemini, das KI-System von Alphabet, streut breiter und würde neben Microsoft auch Nvidia, Novo Nordisk, den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, Visa (wegen des Quasi-Duopols mit Mastercard im Zahlungsverkehr) und den Luxusgüterkonzern LVMH kaufen. Nicht auch Alphabet? „Du hast mich kalt erwischt“, gesteht Gemini. Alphabet sei ebenfalls eine hervorragende Wahl wegen des Werbegeschäfts als Cash-Cow, des Ökosystems um Android, der Cloud-Sparte und der „Other Bets“ rund um Waymo (autonomes Fahren). Man könnte Nvidia durch Alphabet ersetzen, meint Gemini.
ChatGPT nennt unaufgefordert auch Alphabet – und Nvidia, Amazon, TSMC und Berkshire.
Der neugierige Claude wird über die defensive Auswahl der Rivalen informiert. „Was mich an der KI-Antwort aller vier irritiert – mich eingeschlossen: Wir reden alle über dieselben Namen“, stellt er fest. Vielleicht sei das aber rational: „Wir optimieren alle implizit auf geringste Katastrophenwahrscheinlichkeit bei einem einzigen Titel, und da gewinnen naturgemäß die Unternehmen, die bereits intern am breitesten aufgestellt sind.“
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